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Eine Horde verrückter Menschen...

22.6.14, 19:20pm – Kapstadt

Das war mal ENDLICH  wieder ein richtiger Sonntag: Bis 4 Uhr nachts aufbleiben, bis 13 Uhr schlafen, kochen und außer Joggen und Duschen einfach mal nichts tun. Hach, tut das mal wieder gut! Jetzt bin ich also erholt genug, um von der letzten Woche zu berichten:

 

1. Das Projekt

Ich wurde also mit 1,5h Verspätung abgeholt und nach Kapstadt gefahren. Mein neues Projekt ist das Woodside Special Care Centre für geistig schwerstbehinderte Kinder und junge Erwachsene. Meine Gastmutter Rabia arbeitet dort, also wurde ich Dienstagmittag gleich dahin gefahren. Zeitgleich mit mir hat eine andere Freiwillige angefangen und wir wurden dann von Rabia zusammen rumgeführt. Und das hat mich am Anfang doch etwas schockiert. Wir machen die Tür zu nem Schlafsaal auf, sofort kommen ein paar auf mich zugeschwankt, packen mich am Arm, wollen rausgehen etc. Zwei Jungs laufen auch immer wie Zombies rum, verwirrter Blick, schwankende Schritte und die Arme nach vorne ausgestreckt. Die oberste Regel hab ich somit auch gleich gelernt: Bloß keine Türen offen lassen oder alle, die laufen können, strömen nach draußen^^

Es gibt 83 Bewohner zurzeit, von 5 bis 50 Jahren. Alle sind geistig schwerstbehindert, die meisten auch noch mehrfach körperlich. Geschätzt zwei Drittel kann sich fortbewegen (Rollstuhl, Laufen, Krabbeln, über den Boden ziehen), einige können ein paar Wörter sagen, ein paar sehr wenige können sogar kurze Sätze formulieren. Auf Ansprache reagieren tuen allerdings die meisten, man muss nur rausfinden, welche Sprache. Hier gibt’s sowohl weiße, farbige und schwarze Bewohner als auch Angestellte (Großteil der Bewohner ist weiß, Angestellte fast alle schwarz). Es herrscht ein ständiger Sprachenmix aus Englisch, Afrikaans und Xhosa. Mein Afrikaans bringt mir hier nicht soo viel zum selber sprechen, weil die meisten meiner Phrasen hier unpassend sind („Geh weg“, „Fass das nicht an“, „komm her&ldquo. Aber eine wirkliche Verständigung ist eh mit fast keinem möglich. Dafür ist allerdings das Mitarbeiterverhältnis super! Im Gegensatz zu Steinthal sind das hier nämlich alles Ausgebildete (wenn auch manchmal nur mit Crashkursen), die prinzipiell Spaß an ihrer Arbeit haben und nicht nur ihre Zeit absitzen, um Geld zu bekommen. Die Leute reden auch miteinander, es gibt Meetings und Akten für die Bewohner, die extrem detailreich sind. Wäre ich direkt aus Deutschland hierher gekommen, würde mir das gar nicht so sehr auffallen, aber nach Steinthal freu ich mich richtig drüber!

Die Bewohner sind auf 4 Stationen aufgeteilt (Ruby, Emerald, Topaz und Sapphire), die älteren Bewohner sind geschlechterverteilt. Die Ausstattung ist recht gut, es gibt für den Sommer nen Pool, mehrere rollstuhlgerechte Busse für Ausflüge, und total viel funktionierendes (!) Spielzeug.

Als Freiwilliger kann man in verschiedene Bereiche gehen: Verwaltung, Pflege, Beschäftigungstherapie (=occupational therapy=OT), Logopädie, Physiotherapie. Da meine Gastmutter die Chefin vom OT-Team ist, hab ich damit angefangen, in Logopädie und Physiotherapie will ich aber auch noch reinschauen.

Richtig andere Freiwillige gibt’s gar nicht, aber es gibt: Eine vierzehnjährige Schülerin aus Kapstadt, zwei Amerikanerinnen, die i-wie was in die Richtung Psychologie studieren und durch Praktika Punkte sammeln können, und eine Studentin der Kapstadter Uni, die OT im letzten Jahr studiert und hier ihr Pflichtpraktikum absolviert. Bei meiner Gastmutter lebt aber außer mir keiner, die anderen wohnen alle in Wohnheimen in Kapstadt.

Ich bin von 8-17 Uhr in Woodside (ich fahr mit Rabia im Auto mit), das OT-Team arbeitet aber nur von 9:30-16 Uhr (der Rest ist Protokoll schreiben). Also helfe ich meistens beim Füttern mit (nur sehr wenige können selber essen und das ist dann auch mehr Sauerei&hellip, les, lieg da und döse vor mich hin etc.

 

2. Die Gastfamilie

Wie gesagt, ich bin die einzige Freiwillige hier, es können aber insgesamt wohl 3-4 hier wohnen. Außer meiner Gastmutter Rabia leben in dem Haus noch ihre vierjährige Tochter Taskeen und ihre Mutter Fatima. Wie die Namen schon sagen, ist die Familie indisch-muslimischer Abstammung und auch gläubig. Also schon richtig gläubig (kein Schweinefleisch, meistens Kopftuch, Ramadaan, mehrmals Beten am Tag), aber der westlichen Kultur angepasst (Gebetszeiten, die in die Arbeitszeiten fallen würden, werden einfach nach Feierabend nachgeholt etc.). Das Essen ist dementsprechend auch eher arabisch/indisch, ich hab hier so viele neue Sachen kennen gelernt! Ich hab hier wie in Steinthal Vollverpflegung (selber kochen würde keinen Sinn machen) und so gut, wie Rabia kocht, isses das Geld echt wert!

Zimmer habe ich, nachdem keine anderen Volontäre hier sind, mein eigenes und sogar ein Doppelbett! :D In Steinthal gabs nur Kinderbetten (schmäler und kürzer als Einzelbetten) und da konnte an sich gar nicht gescheit umdrehen, ohne rauszufliegen, oder einrollen. Ne normale Dusche gibt’s natürlich auch und ich hab quasi meinen eigenen Fernseher (=Wohnzimmer) direkt vor meiner Tür, oder ich leg mich mit zu Rabia ins Bett, da ist der zweite Fernseher. Nachdem sie die WM auch anschaut, schauen wir jetzt immer die Spiele gemeinsam :D Es gäb hier auch nen Pool für den Sommer oÔ

Es war ne Umstellung am Anfang, aber ich genieß den „Luxus“ hier grad voll :D Nach Steinthal ist das so ne stufenweise Anpassung an deutsche Lebensverhältnisse^^ In Deutschland freu ich mich dann über ne Heizung, nen großen Schrank, Vollkornbrot und dichte Fenster^^

Was aber voll komisch ist: Die Familie spricht Englisch, Rabia kann neben Arabisch auch Afrikaans, aber die Tochter nur Englisch und Arabisch. Ich fand das so ungewohnt, mit einem farbigen Kind nicht mehr Afrikaans zu reden! Und generell musste ich mich erstmal umstellen, wieder „richtig“ englisch zu reden und nicht immer extra einfaches Englisch verwenden/hören. Und ich hab endlich mal Leute auf dem selben geistigem Niveau :D In Steinthal waren das ja nur die andren Deutschen und ein paar wenige Angestellte. Beim Rest hattest du das Gefühl, selber geistig zu verdummen xD

Ich hab hier schon gelernt, dass Namibia bis 1990 ein Teil von Südafrika war und warum die Rand- Währung grade so schlecht ist: Es gibt in Südafrika einen Ort mit vielen Platinminen, die bauen 40-60% des weltweiten Bedarfs an Platin ab, also stellt das einen ordentlichen Export-Sektor dar. Allerdings streiken seit Anfang dieses Jahres ALLE Arbeiter (wer nicht mitstreikt, wird von der Gemeinschaft umgebracht), weil sie nicht R5500, sondern R12000 Gehalt wollen (in Deutschland wird über ein paar Prozent Steigerung diskutiert, hier gleich mal über knapp 100% Steigerung!). Also wird seit einem halben Jahr NICHTS mehr abgebaut. Kein Wunder also, dass die Währung von 1:10 (€:Rand) seit Januar auf 1:14,5 abgesackt ist (teilweise bis knapp an 1:16 ran sogar!). Für uns Deutsche super, für das Land weniger...

 

3. Die Arbeit

Das OT-Team hat vier Mitarbeiter (Zuwakhe, Andrew, Adelaide und Deborah), Rabia als Chefin und dann noch alle Volontäre/Praktikanten zurzeit. Jeder der vier hat jeweils am Vor- und Nachmittag 4-6 Kinder (bzw. Bewohner. Dem geistigen Alter entsprechend nennen wir hier aber einfach alle Kinder) und mit jedem je ne halbe Stunde. Wir Freiwilligen helfen einfach, wo wir können, ohne fest eingeteilt zu sein.

Dienstagnachmittag haben wir Musik gemacht, von Zuwakhe (gesprochen „Swaki&ldquo afrikanisches Trommeln gelernt und manche Kinder zum Trommeln oder klatschen animieren können :D

Mittwoch wurde am Vormittag einfach nur gespielt, ich hab währenddessen 2h lang zwei Bewohnern die Füße und Beine massiert. Am Nachmittag kam dann der Clown Nicki (sie kommt ehrenamtlich jeden Mittwochnachmittag) und hat mit uns und den Kindern gesungen und getanzt. Richtig süß, wie sich die Kinder immer auf Nicki freuen und den ganzen Vormittag lang „Nicki, Nicki!“ schreien :D

Donnerstagvormittag wurden ein paar Kinder geschminkt, Haare und Nägel gemacht etc. und am Nachmittag wurde wieder gespielt.

Freitagvormittag stand Bildung aufm Plan, ich sollte einer etwas Fitteren (körperliches Alter so um die 14-18 Jahre) ein paar Wörter beibringen. Vereinzelte Wörter kann sie, z.B. bus, car, dog, duckie, yes, no. Ich hab dann mit ihr Puzzle gemacht und zwar diese extrem einfachen Kleinkinder-Puzzle, wo man nur Teile in die richtigen Vertiefungen tun muss. Eins über Farmtiere mit 8 Teilen und eins mit Autos und Bussen mit 10 Teilen. Anfangs hab ichs noch mit „Was ist das/Wie heißt das?“  versucht, aber so wirklich vorwärts gings damit nicht. Also bin ich dazu übergegangen, jedesmal, wenn sie ein Teil genommen hat, den Namen zu sagen. Ich saß dann also ne Stunde lang da „duck, pony, dog, duck, cat, pony, dog, cat, cow, cock, duck, dog, pony“ Alle 20-30mal hat sie’s sogar nachgesagt. Aber der Lernerfolg fiel insgesamt geringer aus als erwartet…sie kannte zwar am Ende mehr Wörter, aber ich bezweifle, ob sie die Bedeutung versteht. Am Ende hat sie dann auch von selbst aus angefangen, mehrsilbige Wörter zu sagen, auf einmal kam „soccer“ oÔ Und sie hat duck, dog und cock am häufigste genommen, kann Zufall sein, kann aber auch sein, dass sie gemerkt hat, dass die drei recht ähnlich klingen. Aber puzzlen konnte sie GAR nicht! Sie nimmt das Schaf, sieht, wo das Schaf reingehört und wills reintun. Es ist allerdings verkehrt rum. Normale Kinder würden jetzt versuchen, das Teil so lange zu drehen, bis es reinpasst. Sie versuchts aber gar nicht erst mit drehen, sondern setzt es noch in ein paar andere Lücken rein und gibt’s i-wann auf. Was aber ging: Ein Teil aus der Lücke anheben um 1-2cm und dann wieder reinsetzen xD Also hab ich immer das Puzzle gemacht, damit sie damit rumspielen konnte und ich die Wörter sagen konnte^^

Und am Nachmittag haben wir dann gekocht :D Jedes Kind hatte eine Zutat in ner Tasse und dann haben die Kinder die der Reihe nach mit Hilfe rein gekippt und gerührt. Es gab nen Schoko-Mikrowellenbrownies – genial! Zartbitterschokolade im Teig und dann noch Schokoglasur^^ Kein Backpulver und den Teig in der Mikrowelle gebacken, das geht so schnell! (3-5min reichen) Und es schmeckt richtig gut, meinten die Kinder auch^^ Allerdings sollte man in Zukunft den Männern Koch-/Backverbot erteilen, oder zumindest Andrew xD Sowas unbegabtes sieht man selten xDD Er hat das Backpulver für Mehl gehalten und hätte das fast reingekippt xD

Und dann steht auch noch immer Positionieren mit an, d.h. man nimmt Kinder, die im Rollstuhl sitzen und fixiert sie mit Gewichten in einer ausgestreckten Position, dass die Muskeln nicht allzu sehr verkümmern. Hin und wieder muss man auch Bewohner „testen“, was geht an Bewegungen geht und was nicht. Dabei Zuschauen ist echt interessant und lehrreich :D

 

Das war jetzt das Arbeitsprogramm der letzten Woche, es ist aber noch mehr passiert: Am Dienstag, meinem ersten Tag, sind wir direkt nach der Arbeit noch zu nem Freund von Rabia gefahren und sind dann mit ihm in sein neues Haus gefahren, er zieht nämlich dieses Wochenende um. Ich wurde gleich überall rumgeführt und hab arabische Gastfreundschaft kennen gelernt^^ Das hat aber ewig gedauert, ich hatte ja noch mein ganzes Gepäck im Auto und so Kopfschmerzen von all dem Neuen. Als wir endlich gefahren sind, hat Rabia dann auch noch ihre Handtasche bei ihm vergessen, sodass wir nochmal umkehren mussten und erst um acht Uhr daheim waren. Auspacken, Essen, Bett und weg war ich!

Recht lustig: Freitag kurz vor der Mittagspause, ich geh zu Rabia ins Büro, sie hockt mit nem Berg Büroklammern vor sich da. Sie hat im Radio an nem Wettbewerb teilgenommen, wieviele Büroklammern man in 30sec aneinander hängen kann. Ich habs dann auch gleich mal versucht und mit Vorbereitung (Klammern geordnet hinlegen) hab ich 12 geschafft :D Also ihr seht, so wirklich viel Arbeit ist das hier auch nicht xD

Donnerstag und Freitag waren wir in der Mittagspause (13-14 Uhr) einkaufen , am Donnerstag für die Kinder, am Freitag für uns. Im Einkaufscetre gabs Frozen Yoghurt mit Litschi-Geschmack, absolut genial! *-* Typisch Rabia kamen wir auch erst um halb drei/drei wieder nach Woodside xD Auch am Morgen schaffen wirs nie pünktlich um 8 da zu sein xD Ihr Fahrstil ist auch…die Frau fährt wie ne Verrückte! Mit den Außenspiegeln immer zentimeter nah an andren Autos, Fußgängern, Mauern vorbei und sowas wie „Ausrollen lassen vor ner roten Ampel“ kennt sie glaub ich gar nicht. Gibt immer Vollgas und führt dann ne Vollbremsung durch, um nicht in den Vordermann zu krachen. Immerhin lern ich hier, wie kurz Bremswege eig sind! Ich dachte bestimmt schon zehnmal „Das geht nicht gut. Das geht nicht gut. Das kann nicht gut gehen!“, aber i-wie klappts dann doch immer noch mit ein paar Zentimetern Abstand^^

Die wahren Meister der Fahrkunst hab ich auch erst gestern kennen gelernt: Minibus-Fahrer in Kapstadt! Ich war gestern den ganzen Tag lang in Kapstadt, weil ich mein Visum abholen wollte (achja, die Visumsgeschichte&hellip. Ich muss ich mit zwei Minibussen ins Zentrum fahren und die fahren wie die Verrückten! Also nicht wirklich verrückt, man merkt einfach, dass sie ihr Auto super kennen, den ganzen Tag damit fahren und so schnell wie möglich sein wollen. Eine Rechtsabbieger-only-Spur wird da mal zum rechts überholen genutzt, rote Ampeln ignoriert (schauen, ob was kommt, reicht doch völlig) und andere Autos gnadenlos abgedrängt. Und das bei Minibussen, die keine Gurte oder Kopfstützen haben (ABS und sowas vermutlich auch nicht xD), hoffnungslos überbesetzt sind und halb auseinander fallen (bei dem einen Bus hing die Tür nurnoch an ein paar Stellen fest, ansonsten hat man den Himmel durchgesehen&hellip. Der TÜV hätte hier seine wahre Freude! :D Und die deutsche Polizei bestimmt auch^^ Um nach Kunden zu schreien, steht nämlich immer einer in der Tür und schreit raus, manchmal fahren die dann auch mit offener Tür rum. Echt ein Wunder, dass da nix passiert xD

In Kapstadt selber war ich dann visumsmäßig nicht erfolgreich: Fast das ganze Amt hat samstags am Vormittag auf, um Sachen abzuholen. Aber die (Tourist) Visa section NICHT. Also am Montag nochmal alles -.- Dafür war ich dann shoppen, hab mir den Backpack gekauft und mich mit Laura und Tobi getroffen, die sind heute geflogen. Am Ende war ich dann noch genial essen, im „easter food bazar“ (mehrere Stände in der kleinen Halle). Vegetarische Pizza für 2,50€! Also ne ganze große, mit total viel Zeugs belegt und total lecker! Da geh ich glaub ich ab sofort immer hin^^

 

Ansonsten war ich dieses Wochenende nicht so produktiv^^ Rabia hilft den Freunden beim Umziehen und seit gestern Abend war sie nicht mehr hier^^ Die Tochter ist bei ihrem Vater und Fatima war bis grad eben bei Rabias Schwester.

 

 

22.6.14 19:24
 
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